Straßenkinder
20.000, 40.000, 60.000 – die Schätzungen über die Zahl der Straßenkinder in Nairobi sind vage, das Elend aber, das dahinter steckt, ist sehr konkret.
Wenn man als Tourist nach Nairobi kommt, wird man nicht viel davon sehen. Die Polizei hat sie aus der Innenstadt vertrieben. Bettelnde, stehlende Kinder, die Leimflasche in den schmutzigen Händen – das ist kein Anblick für kenianische Geschäftsleute und ausländische Besucher.
Aber es gibt sie doch. Sie vegetieren jetzt in den Vorstädten und den unentwegt weiter wuchernden Slums. Sie verstecken sich tagsüber vor der Polizei, um nicht verprügelt und ins Gefängnis gesteckt oder in einer Rehabilitierungsanstalt kaserniert zu werden.
Es gibt viele Gründe, warum sie auf Müllhalden und in Abwasserkanälen hausen: die Eltern sind tot, der Vater ist verschwunden und die Mutter kann die Kinder nicht ernähren, die Eltern sind krank oder drogensüchtig, sie jagen die Kinder aus dem Haus oder schicken sie zum Betteln in die Stadt. Einige sind auch einfach aus der Schule getürmt und genießen ein wildes Bandenleben auf den Straßen. Alle sind anfällig für Krankheiten und Verletzungen, sie sind bedroht von Schlägen und Vergewaltigung durch Wachmänner und Polizisten. Sie ernähren sich von Abfällen und vergessen ihr Elend beim Schnüffeln von Leim. Nach zwei Jahren ist ihr Hirn für immer geschädigt, die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung, auf einen anspruchsvollen Arbeitsplatz auf immer vertan.
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Straßenkinder sind seit 30 Jahren ein Problem in Nairobi, ohne dass die Regierung sich bislang ernsthaft darum gekümmert hätte. Inzwischen gibt es längst Straßenkinder in der zweiten Generation, ganze „Straßenkinderfamilien“. Sie leben ohne Rechte, ohne Chancen, ohne Hoffnung auf Glück.





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